Klangwerkstatt Berlin 2025: KNM campus ensemble Automaten : Mensch
Das KNM campus ensemble hat 2024 gemeinsam ein Stück zum Thema „Automaten:Mensch“ komponiert, das in drei Teilen verschiedene Arten von Automaten und ihre Wechselwirkungen mit dem Menschen reflektiert. Im ersten Teil hat ChatGPT nach Anweisung ein kurzes Stück in Textform für uns erstellt, der zweite Teil widmet sich den unterschiedlichen Geräuschen, die Automaten erzeugen, und der letzte Teil ist ein musikalisches Tandem zwischen dem MRT-Gerät, seinen Klängen und der Live-Musik. Das Stück wurde von Rebecca Lenton für das CoMA Allcomers Orchestra neu arrangiert.
KNM campus ensemble (Quelle: Klangwerkstatt Berlin 2025)
Klangwerkstatt Berlin 2025: Drei Stücke von Peter Ablinger und Pauline Oliveros
Peter Ablinger: WEISS/WEISSLICH 3 (1990)
… Der Name der Werkreihe Weiss/weisslich bezeichnet also nicht nur die feine Differenz von Weiß zu einem anderen Weiß, er meint auch vor allem diejenige, von Weiß zur Wahrnehmung des Weiß. Bei jenem Stück, das der Reihe den Titel gab, dem späteren Weiss/weisslich 3, war der Sachverhalt der Übertragung ein höchst unmittelbarer, vielleicht der direkteste und einfachste meiner gesamten Arbeit: Wieder einmal stand ich vor einem Bild und dachte dabei an Musik. Diesmal 1990, im Gropius-Bau Berlin, es war eine dieser riesigen Ausstellungen damals, ich habe das Thema vergessen, aber ich erinnere mich, die Ausstellung gerade erst begonnen zu haben und zwar mit dem letzten Raum des Rundgangs. Und da stand ich vor einem Bild, das nur aus vertikalen, hellgrauen Streifen bestand, nichts als zwei unterschiedliche Grautöne, die sich völlig regelmäßig abwechselten. Ich betrachtete das Bild weniger, als daß es mich betrachtete, wie ich eine Weile in Gedanken versunken davorstand, dann aber rasch den Ausstellungsbesuch abbrach und nach Hause ging, um ein Stück zu skizzieren, das aus nichts anderem bestand als aus dem mehrmaligen, regelmäßigen Wechsel von 40 Sekunden Stille und 40 Sekunden Fast-Stille. Es dauerte danach noch viele Jahre, bis ich schließlich herausfand, daß das Bild von Agnes Martin war.
Peter Ablinger
Pauline Oliveros: Tuning Meditation (1971)
Pauline Oliveros (1932–2016) ist bekannt für ihre partizipativen Werke und Klangmeditationen, die sowohl für Musiker:innen als auch für Nichtmusiker:innen geeignet sind, und Tuning Meditation ist ein Beispiel für diese Form. Die Partitur besteht aus einfachen Textanweisungen, die die Teilnehmer:innen anweisen, einen Vokal so lange zu singen, wie sie ausatmen, zuzuhören, was die Menschen um sie herum tun, und sich mit ihrem nächsten gesungenen Ton entweder mit einer der Stimmen, die sie hören, zu synchronisieren oder „abzustimmen“ oder einen Ton zu singen, den sie nicht hören.
Peter Ablinger: A-E-I-O-U (2012) Das Stück beschäftigt sich mit den stimmhaften Vokal-Lauten und deren klanglicher Erscheinung in stimmlosen Formen, sei es durch einzelne oder mehrere Stimmen. Es ist eine Art Klangstudie über die Bausteine unserer Sprache – mal sanft, zerbrechlich, unangenehm, ungeschützt oder vertraut.
Peter Ablinger
(Quelle: Klangwerkstatt Berlin 2025)
Klangwerkstatt Berlin 2025 Petros Ovsepyan: Why fum’th in Fight 7
Petros Ovsepyan: Why fum’th in Fight (2025)
Der Titel des Stücks stammt aus der kurzen Hymne von Thomas Tallis aus 1567, die auf einem Psalmtext (Psalm 2:1-2) des Erzbischofs von Canterbury, Matthew Parker, basiert.
Why fum’th in fight the Gentiles spite, in fury raging stout?
Why tak’th in hand the people fond, vain things to bring about?
The Kings arise, the Lords devise, in counsels met thereto,
against the Lord with false accord, against His Christ they go.
Der Text bildet den Resonanz- und Echoraum, das dem Stück Why fum’th in Fight zugrunde liegt. Das Stück spiegelt unsere von Konflikten geprägte Zeit, in der es nur noch Extreme zu geben scheint. Die Tonbandaufnahme aus Linum, einem Ort in Brandenburg, wo sich im Oktober jedes Jahres über 70.000 Kraniche auf ihren Weiterflug in den Süden sammeln, kontrastiert die friedlichen, in Harmonie mit der Natur lebenden Tiergeräusche mit den zerstörerischen Autogeräuschen auf der daneben liegenden Landstraße.
Der Kranich ist im Armenischen ein Symbol für die Überwindung von Grenzen, die Sehnsucht nach dem Herkunftsort.
Das Stück wurde für das KNM Campus Ensemble komponiert und ist flexibel instrumentiert, so dass die Anzahl der Interpret:innen von Aufführung zu Aufführung variieren kann.
Petros Ovsepyan (Quelle: Klangwerkstatt Berlin 2025)
Klangwerkstatt Berlin 2025 Rebecca Lenton, Marco Wedel und Max Wilson im Gespräch
Klangwerkstatt Berlin 2025 Max Wilson A Vision Port
Max Wilson: A Vision Port (2025)
Der Name Vision Port leitet sich aus einem Teilanagramm des Wortes „Improvisation“ ab und spiegelt das Gleichgewicht zwischen Freiheit und Form wider, das dieses Werk auszeichnet. Durch die Kombination traditioneller und grafischer Notation führt es die Interpret:innen durch sich entwickelnde Texturen und rhythmische Wechselwirkungen. Die Musiker:innen beobachten eine Uhr, synchronisieren sich an wichtigen Stellen und betonen ihr Ticken. Am Ende laufen die Noten zu einem Zifferblatt zusammen und schaffen so eine letzte Geste, die Musik und Zeit vereint.
Max Wilson (Quelle: Klangwerkstatt 2025)
Klangwerkstatt Berlin 2025 Brian Ledwidge Flynn: Perpetual Motion 15. November 2025
Brian Ledwidge Flynn: Perpetual Motion (2025)
Den vier Gruppen mit offener Instrumentierung werden jeweils konzentrische Zyklen rhythmischen Materials zugewiesen. Die Interpreten sind eingeladen, bei jedem Zyklus eine Note aus einem vorgegebenen Toncluster entsprechend ihrer Gruppe frei auszuwählen. Die Unvergleichbarkeit der unterschiedlichen Zykluslängen ruft ein Gefühl von Parallaxe und Tiefenschärfe hervor, während die Überlagerung der ausgewählten Töne und Impulse gelegentlich schwebende Melodien und driftende Texturen erzeugt, die für jede Aufführung einzigartig sind. Perpetual Motion ist Teil einer Reihe von „Single Page Scores“ von Ledwidge Flynn, in denen eine prägnante Notation zu einem potenziell endlosen, einzigartigen und doch ähnlichen Werk führen kann.
Brian Ledwidge Flynn (Quelle: Klangwerkstatt Berlin 2925)
Klangwerkstatt Berlin 2025: Marco Wedel (Gem(ein)sam)keiten 15. November 2025
(Gem(ein)sam)keiten ist ein Stück über Nähe und Distanz – über das gemeinsame Klingen, das Auseinanderdriften und die fragile Verhandlung dazwischen. Es untersucht, wie Gemeinsamkeit durch Hören, Nachahmung und Aufmerksamkeit entstehen kann; wie sich individuelle Ausdrucksformen in kollektive Resonanz auflösen – oder ihr widerstehen. Die Partitur schreibt keine Ergebnisse vor. Sie eröffnet vielmehr einen Raum von Situationen und Möglichkeiten, die von den Mitwirkenden gestaltet werden müssen. Sie vertraut auf deren Wachheit, ihre Bereitschaft zuzuhören, zu reagieren, zu führen und sich führen zu lassen. Im Verlauf des Stücks reorganisiert sich das Ensemble fortwährend – physisch wie klanglich – formt und löst Gestalten, nähert sich an, entfernt sich wieder und reagiert aufeinander. In vier Teilen entsteht so ein Bogen, der in einen Moment tiefer Präsenz und gemeinsamer Stille mündet. Das Ensemble bewegt sich zwischen Zuständen von Ruhe, Begegnung, Puls, Auflösung und Sammlung – nicht unähnlich sozialen Körpern und Gemeinschaften, die immer wieder neu erfinden müssen, was es heißt, miteinander zu sein. Jede Aufführung wird so zu einer Verhandlung von Gegenwart. Jeder Klang fragt: Wie gehören wir zusammen?
Marco Wedel (Quelle: Klangwerkstatt Berlin 2025)
Uraufführung Gewinner Jugend komponiert des Landesmusikrates Berlin, 29. Juni 2024
Klangwerkstatt 2023 Ying Wang Kirin UA
3. Preis (geteilt) des Kompositionswettbewerbs <Composing for and by all 2023> des KNM campus ensemble
1. Preis des Kompositionswettbewerbs <Composing for and by all 2023> des KNM campus ensemble
3. Preis (geteilt) des Kompositionswettbewerbs <Composing for and by all 2023> des KNM campus ensemble
2. Preis des Kompositionswettbewerbs <Composing for and by all 2023> des KNM campus ensemble
sound play #1 / reenactment for attentive listening artists
Klangwerkstatt Berlin 2021
